lundi 19 janvier 2015
Ich glaub, mich knutscht ein Elch! Vom Leben in der Wildnis.
Posted on 13:53 by union
Ein Reisebericht ist es zwar nicht, da wir ja im Grenzgebiet von BC, Alaska und dem Yukon leben, aber vielleicht habt ihr Lust, die ein oder andere Story vom Leben unter Vierbeinern zu lesen :)
Hermelingeschichten (1)
Interessant, wie sich warme bewollsockte Füße in eine Art Klettband verwandeln, wenn man damit auf einer frostigen Veranda steht. Meine Fußtemperatur nähert sich rapide den Minusgraden der mit Raureif überzogenen Verandabohlen, so still wie ich dastehe, um den wilden Jäger in Weiß nicht zu verscheuchen: Unser ansässiges Hermelin in strahlendem Winterpelz, das mit der steifgefrorenen Mausleiche in der Falle kämpft. Es hat den Kiefer fest um den verblichenen Erdnussbutterfan geschlossen, zerrt und zieht; sein langer Körper schlängelt sich vor Anstrengung wie eine Peitsche.
Ich beginne mich um den dünnen Kupferdraht zu sorgen, der die Mausefallen an der Veranda verankert, damit das Hermelin nicht mit Leiche plus Falle durchbrennt. Vorsichtig gehe ich näher. Leise Zischgeräusche kommen von meinen Socken, deren an den Bohlen festgefrorene Wollfasern nun losreißen. Ich versuche mich zu entspannen und Gelassenheit auszustrahlen. Tiere spüren Anspannung sofort, und ich würde das kleine Wiesel gern noch beobachten. Aber mit Blitzgeschwindigkeit verschwindet es unter der Veranda. So viel zum Thema Gelassenheit ausstrahlen.
Der Metallbügel der Falle hat den Nacken und Rücken der Maus zerquetscht, so dass es unmöglich ist, sie ohne sie anzufassen herauszuschütteln. Ich greife den kalten, weichen Schwanz nur nachdem wir sie getötet haben, können wir wilde Tiere anfassen und befreie die steife Leiche. Immer wieder ragt der Hermelinkopf wie ein Periskop zwischen den Bohlen heraus, um die Situation im Auge zu behalten (wird der Mensch mein Frühstück stehlen?). Einen Moment lang überlege ich, die Maus ihrem Feind hinzuhalten, aber dann kann ich mich doch nicht überwinden, mit einem toten Nager in der Hand dazusitzen und darauf zu warten, dass ein Wiesel anbeißt.
Stattdessen werfe ich sie von der Veranda, totes Tier zu toten Blättern. Ich schleiche von der Falle weg und stehe still, lasse alle Erwartung und Aufregung von mir weichen, lasse meine Glieder schwer und meinen Atem langsam werden. Das Hermelin springt zurück auf die Bohlen, zu der nun leeren Falle, und schnüffelt bestürzt. Keine Maus! Es sucht im Umkreis um die Falle, versucht kurz, die Wand unserer Blockhütte zu erklimmen, als ob sein Frühstück dorthin verschwunden sei, und beginnt in einem Wieseltempo (Affen sind nichts dagegen) auf der Veranda herumzurasen.

In die alte Ofenröhre und wieder hinaus, eine kurze Jagd durch den Pappkarton mit Papierabfällen, in den Blumentopf, hinüber zur Eimerfalle, halb die Wand hoch, runter von der Veranda und zwischen den Bohlen wieder hoch. Mir wird schon ganz schwindelig. Kann es denn die Maus auf den Blättern nicht riechen?
Plötzlich hält das Hermelin an. Sitzt da am äußersten Rand der Veranda, sein Körper ein einziger angespannter Muskel, und schaut mich an. Schaut mich wirklich an. Es ist einer dieser Momente, in dem ein wildes Tier nicht bloß die Menschengestalt registriert und einem automatisch das Etikett widerwärtiger Zweibeiner verpasst, sondern in dem sich sein Blick einem tief in die Augen senkt und irgendetwas, eine Art Erkennen, ein Staunen, geschieht. Ein Versuch von Kontakt, von Kommunikation.
Gänsehaut läuft mir die Arme hinunter. Ich starre in die tintenschwarzen Knopfaugen, sein kleines wildes Leben, und es kommt langsam näher, seine Augen noch immer auf meine geheftet. Sein Körper schlängelt sich sinnlich, kein hektisches Herumspringen jetzt, die schwarze Schwanzspitze folgt wie ein Ausrufungszeichen.
Aufregung steigt in mir hoch, ich versuche, sie geschehen zu lassen, sie auszuatmen. Das Hermelin hat mich nun fast erreicht und hält an, da unten auf den Verandabohlen. Unser Größenunterschied nimmt mir fast den Atem es scheint so weit weg zu sein. Vielleicht kommt ihm der gleiche Gedanke. Sein Blick löst sich von meinen Augen, gleitet meinen Körper hinunter und ruht schließlich auf meinen blauen Wollsocken, meinen Füßen. Eine kurze Vision von scharfen Wieselzähnen in meinen Zehen blitzt mir durch den Kopf. Zwei Zentimeter von meinen Füßen entfernt streckt es den Kopf lang und riecht an meinen Zehen.

Der Moment geht vorüber und es dreht sich um, springt zurück über die Veranda, aber entspannter als zuvor. Ab und zu kommt es wieder näher, läuft im Kreis um mich herum und rennt schließlich hinunter in die Blätter. Und dort, Halleluja, findet es die Maus. Mit der steifen Leiche zwischen den Zähnen kommt es wieder hoch, überlegt es sich dann anders und verschwindet unterm Haus.
Ich werde mir meiner eiskalten Füße bewusst. Mit einem Zischen lassen mich die gefrorenen Bohlen los und ich stakse nach drinnen um aufzutauen.
Hermelingeschichten (1)
Interessant, wie sich warme bewollsockte Füße in eine Art Klettband verwandeln, wenn man damit auf einer frostigen Veranda steht. Meine Fußtemperatur nähert sich rapide den Minusgraden der mit Raureif überzogenen Verandabohlen, so still wie ich dastehe, um den wilden Jäger in Weiß nicht zu verscheuchen: Unser ansässiges Hermelin in strahlendem Winterpelz, das mit der steifgefrorenen Mausleiche in der Falle kämpft. Es hat den Kiefer fest um den verblichenen Erdnussbutterfan geschlossen, zerrt und zieht; sein langer Körper schlängelt sich vor Anstrengung wie eine Peitsche.
Ich beginne mich um den dünnen Kupferdraht zu sorgen, der die Mausefallen an der Veranda verankert, damit das Hermelin nicht mit Leiche plus Falle durchbrennt. Vorsichtig gehe ich näher. Leise Zischgeräusche kommen von meinen Socken, deren an den Bohlen festgefrorene Wollfasern nun losreißen. Ich versuche mich zu entspannen und Gelassenheit auszustrahlen. Tiere spüren Anspannung sofort, und ich würde das kleine Wiesel gern noch beobachten. Aber mit Blitzgeschwindigkeit verschwindet es unter der Veranda. So viel zum Thema Gelassenheit ausstrahlen.
Der Metallbügel der Falle hat den Nacken und Rücken der Maus zerquetscht, so dass es unmöglich ist, sie ohne sie anzufassen herauszuschütteln. Ich greife den kalten, weichen Schwanz nur nachdem wir sie getötet haben, können wir wilde Tiere anfassen und befreie die steife Leiche. Immer wieder ragt der Hermelinkopf wie ein Periskop zwischen den Bohlen heraus, um die Situation im Auge zu behalten (wird der Mensch mein Frühstück stehlen?). Einen Moment lang überlege ich, die Maus ihrem Feind hinzuhalten, aber dann kann ich mich doch nicht überwinden, mit einem toten Nager in der Hand dazusitzen und darauf zu warten, dass ein Wiesel anbeißt.
Stattdessen werfe ich sie von der Veranda, totes Tier zu toten Blättern. Ich schleiche von der Falle weg und stehe still, lasse alle Erwartung und Aufregung von mir weichen, lasse meine Glieder schwer und meinen Atem langsam werden. Das Hermelin springt zurück auf die Bohlen, zu der nun leeren Falle, und schnüffelt bestürzt. Keine Maus! Es sucht im Umkreis um die Falle, versucht kurz, die Wand unserer Blockhütte zu erklimmen, als ob sein Frühstück dorthin verschwunden sei, und beginnt in einem Wieseltempo (Affen sind nichts dagegen) auf der Veranda herumzurasen.
In die alte Ofenröhre und wieder hinaus, eine kurze Jagd durch den Pappkarton mit Papierabfällen, in den Blumentopf, hinüber zur Eimerfalle, halb die Wand hoch, runter von der Veranda und zwischen den Bohlen wieder hoch. Mir wird schon ganz schwindelig. Kann es denn die Maus auf den Blättern nicht riechen?
Plötzlich hält das Hermelin an. Sitzt da am äußersten Rand der Veranda, sein Körper ein einziger angespannter Muskel, und schaut mich an. Schaut mich wirklich an. Es ist einer dieser Momente, in dem ein wildes Tier nicht bloß die Menschengestalt registriert und einem automatisch das Etikett widerwärtiger Zweibeiner verpasst, sondern in dem sich sein Blick einem tief in die Augen senkt und irgendetwas, eine Art Erkennen, ein Staunen, geschieht. Ein Versuch von Kontakt, von Kommunikation.
Gänsehaut läuft mir die Arme hinunter. Ich starre in die tintenschwarzen Knopfaugen, sein kleines wildes Leben, und es kommt langsam näher, seine Augen noch immer auf meine geheftet. Sein Körper schlängelt sich sinnlich, kein hektisches Herumspringen jetzt, die schwarze Schwanzspitze folgt wie ein Ausrufungszeichen.
Aufregung steigt in mir hoch, ich versuche, sie geschehen zu lassen, sie auszuatmen. Das Hermelin hat mich nun fast erreicht und hält an, da unten auf den Verandabohlen. Unser Größenunterschied nimmt mir fast den Atem es scheint so weit weg zu sein. Vielleicht kommt ihm der gleiche Gedanke. Sein Blick löst sich von meinen Augen, gleitet meinen Körper hinunter und ruht schließlich auf meinen blauen Wollsocken, meinen Füßen. Eine kurze Vision von scharfen Wieselzähnen in meinen Zehen blitzt mir durch den Kopf. Zwei Zentimeter von meinen Füßen entfernt streckt es den Kopf lang und riecht an meinen Zehen.
Der Moment geht vorüber und es dreht sich um, springt zurück über die Veranda, aber entspannter als zuvor. Ab und zu kommt es wieder näher, läuft im Kreis um mich herum und rennt schließlich hinunter in die Blätter. Und dort, Halleluja, findet es die Maus. Mit der steifen Leiche zwischen den Zähnen kommt es wieder hoch, überlegt es sich dann anders und verschwindet unterm Haus.
Ich werde mir meiner eiskalten Füße bewusst. Mit einem Zischen lassen mich die gefrorenen Bohlen los und ich stakse nach drinnen um aufzutauen.
Ich glaub, mich knutscht ein Elch! Vom Leben in der Wildnis.
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