vendredi 6 mars 2015
Soziale Netzwerke und Kontakte
Posted on 05:38 by union
Liebes Forum,
Wie ja vielleicht schon angeklungen ist, wird ab September hoffentlich ein Traum von mir wahr und ich werde 1 Jahr lang als Austauschstudent an einer Partneruni studieren können. Wie ich aber von Natur aus so bin, mache ich mir schnell viele Gedanken und Sorgen über Sachen und Dinge, die passieren könnten oder was mir jetzt noch einen Strich durch meinen Traum machen könnte.
Durch rum-googlen bin ich auf die willdesten Erfahrungsberichte gestoßen, von total easy bis hin zu totalen Horrorgeschichten, inklusive "Gratisnacht" im Gefängnis und Rückflug nach Europa am nächsten Tag. Eigentlich sollte ich mir, denke ich mal, gar keine Sorgen machen müssen, denn ich bin ein harmloser Student, war vor 5 Jahren das erste Mal mit meiner Familie privat in den USA und es war super schön - und ich bin auch noch nie in irgendwelche krummen Dinge verwickelt gewesen - selbstverständlich nicht!
Dennoch, als ich jetzt etwas rumgesucht habe im Netz, kamen auch einige Beiträge, wonach jemandem die Einreise bereits verweigert wurde aufgrund von scheinbar harmlosen sozialen Netzwerken-Einträgen. Ich laß von einem britischen jungen Pärchen, das zuvor auf Twitter verkündet hatte, es werde bald nach Amerika reisen, um dort Marilyn Monroe 'auszugraben' und "Spaß und Party zu machen". "Spaß und Party machen" kann scheinbar im britischen Englisch oder in der Umgangssprache alleine durch das englische Wort für "zerstören" ausgedrückt werden und so bekam dieser eigentlich harmlose Twitter-Tweet eine ganz bizarre Note.
In LA angekommen, wurden sie 5 Stunden von Beamten befragt, und deren Gepäck doch tatsächlich nach Schaufeln und Spaten durchsucht (!), bevor sie schließlich in Handschellen abgeführt, die Nacht im Gefängnis verbringen durften und am nächsten Tag in den nächsten Flieger zurück gesteckt wurden. Seitdem dürfen sie scheinbar nur noch per Visum einreisen.
Nun habe ich so etwas in dem Ausmaß natürlich noch nicht geschrieben, schon gar nicht auf Twitter, was ich auch gar nicht nutze, aber was mir halt nun Sorgen bereitet, sind einige private Facebook-Posts (meine Beiträge sind grundsätzlich allesamt privat, also nur für meine Facebook-Freunde einsehbar, nicht für die Öffentlichkeit), die zum Beispiel manchmal Unmut, Frust oder Unverständnis äußern, wenn mal wieder ein tödlicher Amoklauf an einer Schule passiert war, oder wenn Polizisten mal wieder einen Obachlosen erschossen haben, etc.
Meistens sind diese Beiträge von mir dann an einen oder mehrere amerikanische Freunde von mir gerichtet, und gelegentlich entwickelt sich daraus dann eine kleine Diskussion über das jeweilige Thema. Auch als das Thema Snowden und NSA-Affäre vor über einem Jahr so heftig in den deutschen Medien grassierte, habe ich hin und wieder in meist ironischem Stil auf Facebook mein Erstaunen bzw. Unmut über die Abhöraktionen geäußert, einmal, wenn ich mich recht erinnere, auch ein Titelbild des SPIEGEL mit Snowden drauf und provokantem Titel damit verknüpft.
Mit der Zeit und aufgrund wachsender Paranoia, die ich mir teilweise selber nicht immer erklären kann, wurde ich bezüglich dieser eigentlich in meinen Augen harmlosen Aktivitäten unsicher und ich habe daher die letzten Wochen damit verbracht, meinen Facebook-Account mühsam Woche für Woche zurückzuverfolgen bis ins Jahr 2010 und sämtliche Beiträge, von denen ich denke, dass ich sie eigentlich gar nicht hätte veröffentlichen müssen, manuell gelöscht, sodass sie nun "offiziell" auf Facebook nicht mehr zu finden sind (an dieser Stelle sei nochmal darauf hinverwiesen, dass die Beiträge ohnehin nur meine Freunde lesen konnten, für außenstehende Nicht-Freunde ist mein Profil nicht bzw nur eingeschränkt sichtbar. Was allerdings für die höheren Mächte eines Landes lesbar ist und was nicht ist natürlich die andere Frage)
Gestern las ich dann beim Recherchieren natürlich prompt über einen Fall eines deutschen Schriftstellers, Illja Trojanow, dem nach einem Protest gegen den Geheimdienst auch die Einreise verwehrt blieb.
Ich mache mir nun aufgrund all dieser Berichte etwas Sorgen wegen meinem eigenen Reisevorhaben. Zwar habe ich, soweit ich mich jetzt noch erinnern kann, nie an irgendwelchen Online-Petitionen teilgenommen (außer ich weiß es heute einfach nicht mehr), noch habe ich in direkter Weise wie dieses britische Pärchen etwas veröffentlicht, das so missverständlich ausgelegt werden könnte.
Allerdings habe ich durchaus hin und wieder in Beiträgen an meine amerikanischen Freunde mein Missfallen bezüglich lascher Waffenpolitik oder ähnliches ausgedrückt, woraus sich dann meistens immer kleinere Meinungsaustausche ergeben haben.
Und einen Beitrag, ich hatte den schon gar nicht mehr in Erinnerung, aus dem späten Jahre 2012 habe ich kürzlich beim Durchforsten von mir wieder entdeckt. Darin hatte ich 2 meiner Ami-Freunde adressiert und daraufhin einen Songtext von einem Bösewicht aus einem Harry Potter-Musical zitiert, ihn aber stellenweise auf meine Person abgeändert, sodass dieser in Reimen verfasste kurze Text über eine leicht größenwahnsinnige Person wie aus meinem Munde klang und wie eines Tages jeder das machen würde, was ich sagen würde und die mich nicht daran hindern könnten.
Es ist und war natürlich Spaß, aber heute würde ich sowas natürlich nicht mehr schreiben, man wird ja auch reifer.
Ich habe mir bisher darüber nie große Gedanken gemacht, und ich erachte das alles eigentlich als harmlose Meinungsäußerung, die ja in einem demokratischen Staate verwurzelt sein sollte; aber im Lichte meiner Recherche beunruhigt mich das jetzt doch etwas.
Und eine Sache macht mir bis jetzt halt die größten Sorgen, für dich aber nicht mal wirklich etwas könnte: Da ich sehr sprachenvernarrt bin, war ich auf Sprachlern-Seiten wie z.B. SharedTalk unterwegs. Dort hat mich mal vor langer Zeit auch ein junger Ami in meinem Alter kontaktiert, ob ich ihm nicht bei seinem Deutsch helfen möge und er mir bei Englisch. Daraus hat sich dann eine "Online-Freundschaft" entwickelt, hauptsächlich über Facebook, Skype bzw. später dann auch Whatsapp und man redete dann auch irgendwann über andere Sachen als nur über das Sprachenlernen, z.B. private Hintergründe etc.
Er kam, so sagte er es jedenfalls, scheinbar viel herum, arbeitete glaube ich mal für längere Zeit in China, dann war er mal wieder zurück in den USA. Und irgendwann hatte er dann zwischenzeitlich auch, angeblich, eine türkische Freundin aus Berlin, die als Austauschstudentin in seiner Gegend war und hat sie scheinbar auch mal in Berlin besucht.
Irgendwann habe ich dann mitgekriegt, dass er zunehmend depressive Phasen zu haben schien, jedenfalls habe ich das so interpretiert, meinte auch, er hätte Antidepressiva verschrieben bekommen u.ä. und generell schien er nicht so glücklich mit sich selbst zu sein und schien mir eher labil.
Es hat sich dann auch nach und nach der Kontakt zu ihm etwas verloren, bestimmt ein halbes Jahr lang war dann gar kein Kontakt mehr, bis dann auf einmal ganz plötzlich per Skype eine Nachricht kam (und mich ganz unvorbereitet getroffen hat), dass er jetzt bald nicht mehr so oft online sein werde, denn er wolle in die Mongolei (er war ja beruflich ziemlich oft schon in China) und von dort aus südwestlich weiterziehen, um sich dort die Lage etwas anzuschauen. Ich solle mir keine Sorgen machen, wenn er jetzt künftig nicht mehr so oft online sein wird (obwohl wir zu dem Zeitpunkt ohnehin schon über ein halbes Jahr keinen Kontakt mehr hatten) und er wünsche mir alles Gute.
Ich nenne jetzt keine bestimmten Länder, aber ich denke es ist klar von meiner Beschreibung, welchen Brennpunkt-Raum er dort unten gemeint hat. Das hat mich dann ganz aus heiterem Himmel getroffen und ich bin auch gar nicht groß darauf eingegangen, habe glaube ich nur "warum" gefragt, aber bin nicht weiters auf dieses Thema eingegangen.
Ich bekam da allerdings erstmals etwas Angst, weil er hat zuvor nie wirklich solche Äußerungen erwähnt gehabt und unsere virtuellen Treffen waren ja ursprünglich aufs Sprachenlernen ausgelegt gewesen und daraus hat sich dann halt so eine kumpelhafte Online-Freundschaft entwickelt.
Ich hielt es dann am besten, sofort jeglichen Online-Kontakt abzubrechen, was ich daraufhin dann auch sofort gemacht habe. Inklusive Stilllegung sämtlicher Accounte, wo ich damals mit ihm in Kontakt stand und ein Wechsel der Handynummer (da wir ja auch auf Whatsapp aktiv waren) erfolgte kurz danach auch.
Ich weiß nicht, was dieser Mensch im Hintergrund neben unseren Sprachenlern-Treffen sonst noch so gemacht hat, bzw. mit welchen ominösen Kontakten aus gewissen Brennpunktbereichen er irgendwie in Verbindung stand, aber das interessiert mich auch nicht. Er meinte nur irgendwann mal, er habe familiäre Kontakte in Ägypten oder so, aber, da ich ja kein Schubladen-Denker bin, habe ich mir deswegen nicht unbedingt was gedacht.
Ich bin nun jüngst auf eine Seite gestoßen, auf der Informationen über die Klassifizierung und Markierung verdächtiger Personen beschrieben wurden, vermutlich auf Grundlage von gewissen Enthüllungen aus der letzten Zeit und da wurden gewisse Listen erwähnt und nach welchem Verfahren man selbst harmlose Leute auf solche Listen packt. Da stand beispielsweise auch erwähnt, dass "associates" von Verdächtigen automatisch auch auf eine Beobachtungs-list gelangten, selbst wenn es gar keine handfesten Beweise oder zu erfüllende Kriterien gäbe. Die "Nominators" entscheiden darüber scheinbar laut eigenem Ermessen. Erwähnt waren auch eben Aktivitäten in sozialen Netzwerken.
Nennt mich nun vielleicht paranoid, aber diese Umstände haben gereicht, dass ich mir darüber natürlich nun ordentlich Gedanken mache. Wenn ich mit diesem Typ in Kontakt stand, selbst wenn die eigentlichen Gesprächsinhalte ja immer harmlos waren, würde mich das ja aber sicher schon zu einem "associate" machen und ich möchte mit alldem einfach nichts zu tun haben, möchte nach wie vor die Möglichkeit haben, wann immer ich will unbeschwert ohne Doppel- und Dreifach-Checks in die USA reisen zu können, da ich noch viel mehr von dem Land entdecken möchte als bisher und will auch nicht auf irgendwelchen Listen eingetragen sein deswegen oder sonstiges.
Wie würdet ihr diese Hintergründe einschätzen? Muss ich mir deswegen Sorgen machen, oder kann ich das einfach alles vergessen? Am liebsten würde ich ja herausfinden wollen, ob ich da schon irgendwo auf irgendwelchen Listen stehe, aber das wird wohl nie möglich sein. Andererseits will ich's auch nicht erst bei der Einreise "herausfinden" müssen.
Ich für mich persönlich habe daraus allerdings gelernt, dass ich noch viel vorsichtiger sein muss, mit wem ich mich übers Internet virtuell "anfreunde". Aber wie oben beschrieben, auf Sprachenlernseiten geht man doch nun wirklich nicht von sowas aus, und ich kann ja im Prinzip für all das überhaupt nichts, oder?
Liebe Grüße
Wie ja vielleicht schon angeklungen ist, wird ab September hoffentlich ein Traum von mir wahr und ich werde 1 Jahr lang als Austauschstudent an einer Partneruni studieren können. Wie ich aber von Natur aus so bin, mache ich mir schnell viele Gedanken und Sorgen über Sachen und Dinge, die passieren könnten oder was mir jetzt noch einen Strich durch meinen Traum machen könnte.
Durch rum-googlen bin ich auf die willdesten Erfahrungsberichte gestoßen, von total easy bis hin zu totalen Horrorgeschichten, inklusive "Gratisnacht" im Gefängnis und Rückflug nach Europa am nächsten Tag. Eigentlich sollte ich mir, denke ich mal, gar keine Sorgen machen müssen, denn ich bin ein harmloser Student, war vor 5 Jahren das erste Mal mit meiner Familie privat in den USA und es war super schön - und ich bin auch noch nie in irgendwelche krummen Dinge verwickelt gewesen - selbstverständlich nicht!
Dennoch, als ich jetzt etwas rumgesucht habe im Netz, kamen auch einige Beiträge, wonach jemandem die Einreise bereits verweigert wurde aufgrund von scheinbar harmlosen sozialen Netzwerken-Einträgen. Ich laß von einem britischen jungen Pärchen, das zuvor auf Twitter verkündet hatte, es werde bald nach Amerika reisen, um dort Marilyn Monroe 'auszugraben' und "Spaß und Party zu machen". "Spaß und Party machen" kann scheinbar im britischen Englisch oder in der Umgangssprache alleine durch das englische Wort für "zerstören" ausgedrückt werden und so bekam dieser eigentlich harmlose Twitter-Tweet eine ganz bizarre Note.
In LA angekommen, wurden sie 5 Stunden von Beamten befragt, und deren Gepäck doch tatsächlich nach Schaufeln und Spaten durchsucht (!), bevor sie schließlich in Handschellen abgeführt, die Nacht im Gefängnis verbringen durften und am nächsten Tag in den nächsten Flieger zurück gesteckt wurden. Seitdem dürfen sie scheinbar nur noch per Visum einreisen.
Nun habe ich so etwas in dem Ausmaß natürlich noch nicht geschrieben, schon gar nicht auf Twitter, was ich auch gar nicht nutze, aber was mir halt nun Sorgen bereitet, sind einige private Facebook-Posts (meine Beiträge sind grundsätzlich allesamt privat, also nur für meine Facebook-Freunde einsehbar, nicht für die Öffentlichkeit), die zum Beispiel manchmal Unmut, Frust oder Unverständnis äußern, wenn mal wieder ein tödlicher Amoklauf an einer Schule passiert war, oder wenn Polizisten mal wieder einen Obachlosen erschossen haben, etc.
Meistens sind diese Beiträge von mir dann an einen oder mehrere amerikanische Freunde von mir gerichtet, und gelegentlich entwickelt sich daraus dann eine kleine Diskussion über das jeweilige Thema. Auch als das Thema Snowden und NSA-Affäre vor über einem Jahr so heftig in den deutschen Medien grassierte, habe ich hin und wieder in meist ironischem Stil auf Facebook mein Erstaunen bzw. Unmut über die Abhöraktionen geäußert, einmal, wenn ich mich recht erinnere, auch ein Titelbild des SPIEGEL mit Snowden drauf und provokantem Titel damit verknüpft.
Mit der Zeit und aufgrund wachsender Paranoia, die ich mir teilweise selber nicht immer erklären kann, wurde ich bezüglich dieser eigentlich in meinen Augen harmlosen Aktivitäten unsicher und ich habe daher die letzten Wochen damit verbracht, meinen Facebook-Account mühsam Woche für Woche zurückzuverfolgen bis ins Jahr 2010 und sämtliche Beiträge, von denen ich denke, dass ich sie eigentlich gar nicht hätte veröffentlichen müssen, manuell gelöscht, sodass sie nun "offiziell" auf Facebook nicht mehr zu finden sind (an dieser Stelle sei nochmal darauf hinverwiesen, dass die Beiträge ohnehin nur meine Freunde lesen konnten, für außenstehende Nicht-Freunde ist mein Profil nicht bzw nur eingeschränkt sichtbar. Was allerdings für die höheren Mächte eines Landes lesbar ist und was nicht ist natürlich die andere Frage)
Gestern las ich dann beim Recherchieren natürlich prompt über einen Fall eines deutschen Schriftstellers, Illja Trojanow, dem nach einem Protest gegen den Geheimdienst auch die Einreise verwehrt blieb.
Ich mache mir nun aufgrund all dieser Berichte etwas Sorgen wegen meinem eigenen Reisevorhaben. Zwar habe ich, soweit ich mich jetzt noch erinnern kann, nie an irgendwelchen Online-Petitionen teilgenommen (außer ich weiß es heute einfach nicht mehr), noch habe ich in direkter Weise wie dieses britische Pärchen etwas veröffentlicht, das so missverständlich ausgelegt werden könnte.
Allerdings habe ich durchaus hin und wieder in Beiträgen an meine amerikanischen Freunde mein Missfallen bezüglich lascher Waffenpolitik oder ähnliches ausgedrückt, woraus sich dann meistens immer kleinere Meinungsaustausche ergeben haben.
Und einen Beitrag, ich hatte den schon gar nicht mehr in Erinnerung, aus dem späten Jahre 2012 habe ich kürzlich beim Durchforsten von mir wieder entdeckt. Darin hatte ich 2 meiner Ami-Freunde adressiert und daraufhin einen Songtext von einem Bösewicht aus einem Harry Potter-Musical zitiert, ihn aber stellenweise auf meine Person abgeändert, sodass dieser in Reimen verfasste kurze Text über eine leicht größenwahnsinnige Person wie aus meinem Munde klang und wie eines Tages jeder das machen würde, was ich sagen würde und die mich nicht daran hindern könnten.
Es ist und war natürlich Spaß, aber heute würde ich sowas natürlich nicht mehr schreiben, man wird ja auch reifer.
Ich habe mir bisher darüber nie große Gedanken gemacht, und ich erachte das alles eigentlich als harmlose Meinungsäußerung, die ja in einem demokratischen Staate verwurzelt sein sollte; aber im Lichte meiner Recherche beunruhigt mich das jetzt doch etwas.
Und eine Sache macht mir bis jetzt halt die größten Sorgen, für dich aber nicht mal wirklich etwas könnte: Da ich sehr sprachenvernarrt bin, war ich auf Sprachlern-Seiten wie z.B. SharedTalk unterwegs. Dort hat mich mal vor langer Zeit auch ein junger Ami in meinem Alter kontaktiert, ob ich ihm nicht bei seinem Deutsch helfen möge und er mir bei Englisch. Daraus hat sich dann eine "Online-Freundschaft" entwickelt, hauptsächlich über Facebook, Skype bzw. später dann auch Whatsapp und man redete dann auch irgendwann über andere Sachen als nur über das Sprachenlernen, z.B. private Hintergründe etc.
Er kam, so sagte er es jedenfalls, scheinbar viel herum, arbeitete glaube ich mal für längere Zeit in China, dann war er mal wieder zurück in den USA. Und irgendwann hatte er dann zwischenzeitlich auch, angeblich, eine türkische Freundin aus Berlin, die als Austauschstudentin in seiner Gegend war und hat sie scheinbar auch mal in Berlin besucht.
Irgendwann habe ich dann mitgekriegt, dass er zunehmend depressive Phasen zu haben schien, jedenfalls habe ich das so interpretiert, meinte auch, er hätte Antidepressiva verschrieben bekommen u.ä. und generell schien er nicht so glücklich mit sich selbst zu sein und schien mir eher labil.
Es hat sich dann auch nach und nach der Kontakt zu ihm etwas verloren, bestimmt ein halbes Jahr lang war dann gar kein Kontakt mehr, bis dann auf einmal ganz plötzlich per Skype eine Nachricht kam (und mich ganz unvorbereitet getroffen hat), dass er jetzt bald nicht mehr so oft online sein werde, denn er wolle in die Mongolei (er war ja beruflich ziemlich oft schon in China) und von dort aus südwestlich weiterziehen, um sich dort die Lage etwas anzuschauen. Ich solle mir keine Sorgen machen, wenn er jetzt künftig nicht mehr so oft online sein wird (obwohl wir zu dem Zeitpunkt ohnehin schon über ein halbes Jahr keinen Kontakt mehr hatten) und er wünsche mir alles Gute.
Ich nenne jetzt keine bestimmten Länder, aber ich denke es ist klar von meiner Beschreibung, welchen Brennpunkt-Raum er dort unten gemeint hat. Das hat mich dann ganz aus heiterem Himmel getroffen und ich bin auch gar nicht groß darauf eingegangen, habe glaube ich nur "warum" gefragt, aber bin nicht weiters auf dieses Thema eingegangen.
Ich bekam da allerdings erstmals etwas Angst, weil er hat zuvor nie wirklich solche Äußerungen erwähnt gehabt und unsere virtuellen Treffen waren ja ursprünglich aufs Sprachenlernen ausgelegt gewesen und daraus hat sich dann halt so eine kumpelhafte Online-Freundschaft entwickelt.
Ich hielt es dann am besten, sofort jeglichen Online-Kontakt abzubrechen, was ich daraufhin dann auch sofort gemacht habe. Inklusive Stilllegung sämtlicher Accounte, wo ich damals mit ihm in Kontakt stand und ein Wechsel der Handynummer (da wir ja auch auf Whatsapp aktiv waren) erfolgte kurz danach auch.
Ich weiß nicht, was dieser Mensch im Hintergrund neben unseren Sprachenlern-Treffen sonst noch so gemacht hat, bzw. mit welchen ominösen Kontakten aus gewissen Brennpunktbereichen er irgendwie in Verbindung stand, aber das interessiert mich auch nicht. Er meinte nur irgendwann mal, er habe familiäre Kontakte in Ägypten oder so, aber, da ich ja kein Schubladen-Denker bin, habe ich mir deswegen nicht unbedingt was gedacht.
Ich bin nun jüngst auf eine Seite gestoßen, auf der Informationen über die Klassifizierung und Markierung verdächtiger Personen beschrieben wurden, vermutlich auf Grundlage von gewissen Enthüllungen aus der letzten Zeit und da wurden gewisse Listen erwähnt und nach welchem Verfahren man selbst harmlose Leute auf solche Listen packt. Da stand beispielsweise auch erwähnt, dass "associates" von Verdächtigen automatisch auch auf eine Beobachtungs-list gelangten, selbst wenn es gar keine handfesten Beweise oder zu erfüllende Kriterien gäbe. Die "Nominators" entscheiden darüber scheinbar laut eigenem Ermessen. Erwähnt waren auch eben Aktivitäten in sozialen Netzwerken.
Nennt mich nun vielleicht paranoid, aber diese Umstände haben gereicht, dass ich mir darüber natürlich nun ordentlich Gedanken mache. Wenn ich mit diesem Typ in Kontakt stand, selbst wenn die eigentlichen Gesprächsinhalte ja immer harmlos waren, würde mich das ja aber sicher schon zu einem "associate" machen und ich möchte mit alldem einfach nichts zu tun haben, möchte nach wie vor die Möglichkeit haben, wann immer ich will unbeschwert ohne Doppel- und Dreifach-Checks in die USA reisen zu können, da ich noch viel mehr von dem Land entdecken möchte als bisher und will auch nicht auf irgendwelchen Listen eingetragen sein deswegen oder sonstiges.
Wie würdet ihr diese Hintergründe einschätzen? Muss ich mir deswegen Sorgen machen, oder kann ich das einfach alles vergessen? Am liebsten würde ich ja herausfinden wollen, ob ich da schon irgendwo auf irgendwelchen Listen stehe, aber das wird wohl nie möglich sein. Andererseits will ich's auch nicht erst bei der Einreise "herausfinden" müssen.
Ich für mich persönlich habe daraus allerdings gelernt, dass ich noch viel vorsichtiger sein muss, mit wem ich mich übers Internet virtuell "anfreunde". Aber wie oben beschrieben, auf Sprachenlernseiten geht man doch nun wirklich nicht von sowas aus, und ich kann ja im Prinzip für all das überhaupt nichts, oder?
Liebe Grüße
Soziale Netzwerke und Kontakte
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